Integrationsfachdienst (IFD) gGmbH

BEREICHERUNG FÜRS KÜCHENTEAM

Motiviertes und gutes Zusammenwirken schafft Arbeitsplatz

Es ist Vormittag in der Küche des Caritas Senioren-und Pflegeheims St. Josef in der Benno-Mayer-Str. in Fürth. Die Zubereitung der Mittagessen für die rund 80 Heimbewohner ist in vollem Gange. Es dampft und brutzelt, Töpfe klappern. Die Geräuschkulisse wird nur von den vereinzelten Zurufen des Personals übertönt.

Frank Eberlein steht in der modern ausgestatteten Küche an einem Arbeitstisch und schält Kartoffeln. Er benutzt für diese Arbeit ein sogenanntes Multifunktionsbrett. Mit diesem technischen Hilfsmittel, dessen Anschaffungskosten von der Agentur für Arbeit übernommen wurden, ist es ihm möglich, das Schneidgut zu fixieren und die Bearbeitung mit nur einer Hand durchzuführen, wo sonst zwei Hände verwendet werden. Frank Eberlein hat jedoch nur eine gebrauchstüchtige Hand zur Verfügung, denn er ist halbseitengelähmt.



Als Frank Eberlein im Jahre 2010 einen Schlaganfall erlitt, war noch nicht abzusehen, welch tiefen Einschnitt dies für sein zukünftiges Leben bedeuten sollte. Ihm folgten weitere schwere Erkrankungen. Nach langen Klinikaufenthalten und anschließenden rehabilitativen Maßnahmen war Frank Eberlein dann im Jahre 2014 soweit wieder stabilisiert, dass er auch psychisch in der Lage war, über seine berufliche Zukunft nachzudenken.

Die Erkrankung hatte irreversible Störungen und Einschrän-
kungen in der Motorik, aber auch in kognitiven Teilbereichen zur Folge. Der gelernte Bankkaufmann mit Abitur und spätere Geschäftsführer einer eigenen Speditionsfirma konnte plötz-
lich Rechenvorgänge nicht mehr wie gewohnt durchführen. Die Rechenoperationen gelingen zwar kognitiv sehr gut, können jedoch sprachlich nicht kommuniziert werden. Und umgekehrt: Sprachlich dargebotene Zahleninformationen können kognitiv nicht verarbeitet werden. Alles muss schriftlich dargestellt sein.

Als Frank Eberlein im August 2013 in unsere Maßnahme „Unterstützte Beschäftigung“ (UB) kam, ging es demzufolge um die Fragestellung, welche Bereiche für eine Beschäftigung in Frage kommen könnten. Bereiche also, in denen sowohl mit starken körperlichen Einschränkungen, aber auch dem Fehlen wesentlicher kognitiver Funktionen noch eine Erwerbstätigkeit gefunden werden kann. Die Tätigkeit durfte körperlich nur leicht belastend und im Weiteren nicht auf verbal kommunizierte Rechenoperationen angewiesen sein.

In den Beratungsgesprächen mit unserem Integrationsberater Rainer Busch bildeten sich allmählich drei Tätigkeitsbereiche heraus, die für eine Erprobung in Betracht kamen.

Frank Eberlein fährt gerne Auto. Eine vorstellbare Beschäfti-
gung war für ihn deshalb im Kurierdienst angesiedelt. Eine Bürotätigkeit bei einer Speditionsfirma kam ihm auch in den Sinn, kannte er ja das Geschäft aus eigener Erfahrung.

Doch leider kam sowohl der Kurierdienst (Hebe-und Trans-
portaufgaben) als auch die Bürotätigkeit (verbale Kommunika-
tion mit Zahleninhalten) nicht in Frage. So wurde schließlich Frank Eberleins Hobby zur Orientierungsgrundlage für eine Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz: Frank Eberlein ist Hobby-Koch, er steht zu Hause gerne in der Küche, probiert auch mal Neues und entwickelt Variationen.



Schon die erste betriebliche Qualifizierung, die er in der Küche eines Integrationsbetriebs absolvierte, bestätigte die Richtig-
keit dieser Umorientierung. Zielsetzung war die Belastungs-
fähigkeit der linken Hand sowie eine Einordnung bezüglich des Arbeitstempos festzustellen. Frank Eberlein arbeitete mit großer Motivation und einigem Erfindungsreichtum daran, seine ihm verbliebenen Ressourcen optimal einzusetzen.

Neben den Tätigkeiten in der Küche war er auch Beifahrer bei Essenstransporten und verrichtete dabei einfache Hilfstätigkeiten.
Probleme gab es bei einzelnen Aufgaben und beim Einhalten bestimmter Hygienevorschriften. So funktionierte beispiels-
weise das Wenden von Bratgut nicht so gut, ebenso benötigte er regelmäßige Unterstützung beim Anziehen der Arbeitshandschuhe.

Es folgten zwei weitere Qualifizierungen, in denen Frank Eberlein seine Kenntnisse über die Arbeit in Großküchen er-
weitert und selbständig an Lösungen von behinderungs-
bedingten Defiziten getüftelt hat.

Nach den drei Qualifizierungen, die leider in keinem Fall zur Übernahme führten, gab es eine Phase des Zweifelns und bisweilen der Rat- und Hoffnungslosigkeit.

Als dann die Zusage für eine Qualifizierung in der Küche des Senioren-und Pflegeheimes St. Josef in der Fürther Südstadt kam, waren alle Zweifel und Sorgen wie weggeblasen. Hier hatte Frank Eberlein von Anfang an das Gefühl, am richtigen Ort zu sein. Die Küche kochte mit frischen Zutaten, die Hausatmosphäre war familiär und die Haus- und Küchenleitung sowie die Mitarbeiter - bemühten sich darum, ihm die Qualifizierung so angenehm und lehrreich wie möglich zu machen.

Im Haus St. Josef erweiterte und verfeinerte Frank Eberlein nochmals seine Fertigkeiten. Die Hauswirtschafts- und Küchenleitung, Johanna Rehm, war oftmals beeindruckt von seinem erfinderischen Geist, etwa, wenn er eine Zerkleinermaschine für das Würfeln von Toast umfunktionierte. Auch beschrieb sie ihn als sorgfältig in seiner Arbeitsweise. Frank Eberlein war, wie in den anderen Qualifizierungen auch, in erster Linie in der Zuarbeitung tätig. Mehr und mehr interessierte es ihn aber auch, in der Zubereitung der Speisen mitzuarbeiten. Frau Rehm organisierte – wo immer es ging – die Arbeit so, dass er hier dazulernen konnte.

Der Betrieb war mit den Leistungen und dem persönlichen Verhalten von Frank Eberlein sehr zufrieden und zeigte sich offen für die Übernahme in ein Arbeitsverhältnis. Im Vorfeld sollte noch geprüft werden, ob mit technischen Hilfsmitteln die Arbeit erleichtert und die Produktivität erhöht werden könnte.
Bei einem Ortstermin mit dem technischen Berater des Integrationsamtes, Martin Rosenberger, wurden denn auch eine Reihe von Möglichkeiten diskutiert, mit denen eine Arbeitserleichterung und Produktivitätssteigerung erreicht werden könnte. Der Betrieb ist derzeit noch bei der Prüfung der Vorschläge.



Die Frage der technischen Hilfsmittel war jedoch für den Betrieb nicht ausschlagend im Hinblick auf eine Einstellung.
Am 01.10.2014 erhielt Frank Eberlein vom Caritasverband Nürnberg, dem Träger des Senioren-und Pflegeheims St. Josef, seinen Arbeitsvertrag.
Für die Einarbeitung und Eingliederung erhielt der Betrieb einen Eingliederungszuschuss.

Für Frank Eberlein war mit dem Arbeitsplatz in St. Josef ein langer Weg voller körperlicher und psychischer Strapazen zu Ende gegangen. In diesem ersten Jahr einer regulären Beschäftigung nach seiner schweren Erkrankung kamen wieder ein Stück Normalität – und Freude – in sein Leben.

Der Einrichtungsleiter, Christian Habermann, äußert sich anerkennend und zufrieden. Frank Eberlein sei „eine sehr große Hilfe geworden. Trotz seiner Einschränkung ist es erstaunlich, wie gut und sorgfältig er seine ihm aufgetragenen Arbeiten erledigt. Mit seiner offenen, freundlichen Art bereichert er unser Küchenteam“.
Der Arbeitsvertrag von Frank Eberlein ist mittlerweile um ein weiteres Jahr verlängert worden.

Dieses Beispiel einer Integration kann verdeutlichen, welche Bedeutung das motivierte und gute Zusammenwirken aller Beteiligten hat, um das Ziel zu erreichen. Zusammenwirken bedeutet, alle Ressourcen, die für ein Gelingen förderlich sein können, zusammenzubringen. So war es beim Betroffenen der unbedingte Wille, aus seiner Situation das Beste zu machen und mit Erfindungsgeist und Übung neue Ressourcen zu erlangen, und vorhandene zu verbessern und zu erhalten. Beim Arbeitgeber sind es das Menschenbild und eine vorbildliche sozial-integrative Einstellung. Wir als Integrationsfachdienst haben mit unseren Ressourcen der Beratung und der Unterstützung bei der Vermittlung auf einen Arbeitsplatz zum Gelingen beigetragen.