Integrationsfachdienst (IFD) gGmbH

ENDSPURT

Eine Pleinfelder Schülerin mit Tourette-Syndrom startet ins Berufsleben



Etwa 200.000 Jugendliche beenden jeden Sommer die Mittel-
schulen in Bayern. Eine davon ist Laura-Luisa Gerhardt aus Pleinfeld. Sie freut sich unendlich auf den Einstieg ins Berufs-
leben, auf ihre Ausbildung zur Fotomedienfachfrau bei Foto Munique in Weißenburg.

Der Weg dahin war nicht einfach, denn Laura-Luisa lebt seit Jahren mit dem Tourette-Syndrom, einer neurologisch- psy-
chiatrischen Erkrankung, die sich vor allem durch motorische und vokale Tics äußert. In Deutschland sind etwa ein Prozent der Bevölkerung davon betroffen, allerdings ist die individuelle Ausprägung sehr unterschiedlich.

Laura-Luisa und ihre Familie gehen sehr offen mit der Behin-
derung um. Sie verstecken sich nicht, sondern die junge Frau nimmt ganz selbstverständlich an allen Aktivitäten teil, die sie interessieren: Sie geht seit Jahren reiten, spielt Querflöte und möchte einfach ein normales Leben als Teenager führen. Da-
zu gehört auch ein Einstieg in die Arbeitswelt, denn langfristig möchte Laura-Luisa ein eigenes selbstbestimmtes Leben führen.

In der achten Klasse kam im Rahmen der Maßnahme „Be-
rufsorientierung individuell“ der Kontakt zu unserer Geschäfts-
stelle in Weißenburg zustande. Die aufgeweckte Schülerin wollte sich auf die Suche nach einem passenden Ausbil-
dungsplatz machen und brachte eigene Vorstellungen und Ideen mit. Ihr Wunsch war es, als Industriemechanikerin eine Stelle zu finden.

Im Vorfeld führte Annemarie Schwemmlein, eine unserer Be-
raterinnen in Weißenburg, mehrere Gespräche mit Laura-Luisa, ihren Eltern und der Lehrerin. Dabei haben alle Ge-
sprächspartner Laura-Luisas Interessen und Fähigkeiten, ihr Krankheitsbild und ihre schulischen Voraussetzungen näher betrachtet. Gemeinsam mit ihr galt es, herauszufinden, wel-
che Ausbildungsberufe in Frage kommen könnten.

Im Rahmen der Berufsorientierung schnupperte Laura-Luisa in verschiedenen Praktika in ganz unterschiedliche Tätig-
keitsfelder hinein. Diese Praktika dienen dazu, dass die Schü-
ler sehen und erleben können, wie die Tagesabläufe in ver-
schiedenen Betrieben sind und ob die Vorstellungen über be-
stimmte Berufe der Wirklichkeit entsprechen.

So absolvierte sie jeweils einwöchige Praktika als Industrie-
mechanikerin, Floristin, Heilerziehungspflegehelferin, Foto-
medienfachfrau und als medizinische Fachangestellte. Manchmal waren schulische Voraussetzungen eine Hürde (gute Mathenoten!), mal körperliche Einschränkungen zu spü-
ren oder der Beruf stellte sich als nicht interessant genug heraus.

Leider reicht das Interesse an einem Arbeitsfeld nicht aus, um seinen Wunschberuf erlernen zu können. Das musste Laura-
Luisa mehrfach schmerzvoll erfahren. Zur Ausbildung gehört nun mal ein verständnisvoller Arbeitgeber, der einem jungen Menschen mit Handicap eine Chance gibt.

Helmut Jotz-Munique sah in Laura-Luisa eine interessierte Schülerin, die ihr Praktikum engagiert und motiviert „durch-
zog“. Bevor das Ausbildungsverhältnis beginnen konnte, gab es aber auch für ihn eine Reihe offener Fragen zu klären: Kann Laura-Luisa den alltäglichen Aufgaben gerecht werden? Wie reagieren die Kunden, wenn Laura-Luisa ihre Tics hat? Was sagen die Lehrer in der Berufsschule?

In verschiedenen Gesprächen mit Annemarie Schwemmlein erarbeiteten alle Beteiligten Antworten auf diese Fragen. Inzwischen hat Laura-Luisa ihre Ausbildung begonnen und ihr Ausbilder sowie ihre Berufschullehrer freuen sich über die of-
fene und leistungsbereite Schülerin.